29.06.2009: Österreichs größtes Geothermie-Projekt gestartet

Mit einem einzigartigen Projekt wird im Bezirk Ried Österreichs größtes Geothermie-Projekt umgesetzt, das in der Stadt Ried und Mehrnbach die Grundlage für die nachhaltige Versorgung mit umweltfreundlicher Fernwärme bildet. Die Wärme wird in den beiden Gemeinden künftig aus 100 Grad heißem Wasser gewonnen. Die Gesamtinvestition für Erschließung und Verteilung der Fernwärme in der ersten Ausbaustufe belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro.

Grundlage für das Gemeinschaftsprojekt ist eine Heißwasserquelle, die in der Gemeinde Mehrnbach genutzt werden soll. Basierend auf geologischen Untersuchungen und den Erfahrungen aus den umliegenden Geothermie-Projekten (Altheim, Braunau-Simbach, St. Martin und Geinberg) sind pro Sekunde Wasserförderungen von bis zu 150 Litern (über 500 m3/h) mit einer Temperatur von rund 100 Grad Celsius möglich. Die Heißwasserquelle ist die Grundlage für das derzeit größte Geothermie-Projekt Österreichs. Ziel ist es, ab der ersten Ausbaustufe pro Jahr rund 55 GWh und im späteren Vollausbau rund 90 GWh Wärme an Wärmeverbraucher in der Region zu liefern. Dabei werden rund 20 Trassenkilometer Leitungen verlegt.

Umgesetzt wird das Vorhaben durch die "Geothermie Ried Bohrung GmbH", an der die Nahwärme Mehrnbach GmbH und die Energie Ried Wärme GmbH beteiligt sind. Gesellschafter des Mehrheits-eigentümers sind die Energie Ried (60%) und die Energie AG Oberösterreich Wärme GmbH (40%).

Das Projekt zur Erschließung der Heißwasserquelle wird rund 12,5 Millionen Euro kosten, für die Errichtung des Fernwärmenetzes in der Stadt Ried sind Kosten von rund 13 Millionen Euro veranschlagt, in der Gemeinde Mehrnbach rund 4 Millionen Euro. Für die Umsetzung des Projektes gibt es drei erforderliche Grundvoraussetzungen

  • die entsprechende Förderung des Projektes,
  • die ausreichende Heißwassermenge und der
  • entsprechender Wärmeabsatz.

Nach den bisherigen Untersuchungen sollten diese erreicht werden.

Heizen mit heißem Wasser aus bis zu 3000 Metern Tiefe

Der Baubeginn für das Projekt ist nach Vorliegen aller Förderzusagen und Genehmigungen für Jänner 2010 vorgesehen. Bei den Erschließungsbohrungen wird der Heißwasserstrom im Malmbereich in einer Tiefe von rund 3000 Metern erschlossen. Die Gesamtprojektierung erfolgt durch erfahrene interne und externe Spezialisten, wie Geologen und Techniker.

"Das Projekt ist vergleichbar mit dem Geothermie-Projekt Braunau/Simbach, aus dem wir hier wertvolles Know-how einbringen können", sagt Energie AG-Generaldirektor Leo Windtner. Als Vorteil sieht Windtner auch das oberösterreichische Gesellschaftermodell: "Wir können hier besonderes Augenmerk darauf legen, dass ein hoher Anteil der Investitionen an heimische Unternehmen vergeben werden kann."

Ried rechnet mit der Umrüstung von 1300 Erdgas- auf Fernwärme-Anschlüsse

Im ersten Ausbauschritt sollen 2011 rund 250 Kunden im Rieder Stadtgebiet angeschlossen werden. Der Wärmeverbrauch, der bei diesen Kunden bisher überwiegend mit Erdöl und Erdgas erzeugt wurde, kann zur Gänze durch die umweltfreundliche Fernwärme gedeckt werden. Im Vollausbau des neuen Rieder Fernwärmenetzes können es bis zu 1300 Fernwärmeanschlüsse sein. In der Nachbargemeinde Mehrnbach sollen in der Erstphase die öffentlichen Gebäude und rund 150 Haushalte versorgt werden.

"Unser Ziel ist es, die Wärmeversorgung in der Stadt breiter aufzustellen", sagt Bürgermeister Albert Ortig. Ein großer Teil der Haushalte soll das Angebot nutzen und von fossilen Energieträgern auf die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung umsteigen. "Wir können damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten und haben die Wärmeversorgung in der eigenen Hand", sagt Ortig.

Ähnlich sieht Ortigs Bürgermeisterkollege aus Mehrnbach, Peter Bahn, die Optionen, die sich durch das Projekt ergeben: "Eine sichere und umweltfreundliche Versorgung mit Wärme muss heute für jeden von höchster Wichtigkeit sein. Mit diesem Projekt ist es gelungen, die Versorgungssicherheit unserer Gemeinde zu garantieren." In der 2400-Einwohner-Gemeinde könne man den Wärmeabsatz natürlich nicht mit jenem in der Bezirksstadt vergleichen, für künftige Betriebsansiedelungen könnte das Fernwärmeangebot aber durchaus ein Standortvorteil sein. Zufrieden ist auch der Initiator und Sprecher der Nahwärme GmbH aus Mehrnbach, Dr. Max Wiesner-Zechmeister: "Wir sind sehr froh, dass wir nach der intensiven Vorbereitungszeit jetzt dieses Vorzeigeprojektes tatsächlich umsetzen können."

"Fernwärmestadt Ried": Wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz

In der Umstellung eines Großteils der Erdöl- und Erdgas- auf umweltfreundliche Fernwärme-Anschlüsse sieht auch Umwelt- und Energie-Landesrat Rudi Anschober einen Meilenstein. "Mit dem Geothermie-Projekt wird ein wesentlicher Beitrag zum Erreichen der Energiewende geleistet", ist sich Anschober sicher. Dass die Messestadt Ried nun auch zur innovativsten und saubersten Fernwärmestadt Österreichs werde, bezeichnet er als "vorausschauend und wegweisend".

Die Abkehr von fossilen Energieträgern hin zur vor Ort gewonnenen geothermischen Energie sei einzigartig in Österreich und richtungsweisend: "Die Region wird von Energieimporten unabhängiger", sagt Anschober und freut sich, "dass gleichzeitig auch bis zu 15.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden können!"

Oberösterreich ist das Geothermie-Land Nr. 1

Das Bundesland Oberösterreich ist die Region mit der höchsten Marktdurchdringung bei der Nutzung von geothermischer Energie in Österreich. Derzeit sind fünf geothermische Fernwärmenetze in Betrieb. In der Anlage in Altheim und ab 1. Juli 2009 auch in Braunau-Simbach wird mittels Geothermie auch elektrische Energie erzeugt. Von der insgesamt in Österreich installierten thermischen Leistung von etwa 70 MW entfallen fast drei Viertel auf Oberösterreich. Mehrere Anlagen wurden erst im vergangenen Jahr erweitert.

 

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