Bildband 100 Jahre Wasserkraftwerk Steyrdurchbruch

Wasserkraftwerke sind generationen- übergreifende Projekte, die länger als 100 Jahre sauberen und umweltverträglichen Strom erzeugen - ohne jegliche Abgase bei Schonung der Umwelt und des Klimas. Ein Musterbeispiel für die nachhaltige Nutzung der Wasserkraft ist das Laufkraftwerk Steyerdurchbruch, das 2008 seinen 100. Geburtstag feierte.

Anlässlich dieses Jubiläums wurde ein eindrucksvoller Bildband erstellt, welcher sich der Geschichte des wohl schönsten Wasserkraftwerks Österreichs widmet. Das Buch gliedert sich in zwei Bereiche. Der erste Teil zeigt die Geschichte und den Bau des Wasserkraftwerks mit den Themen Architektur & Landschaft, Raumgestaltung & Licht, Beton & Stein, Instrumente & Maschinen, Ästhetik & Kraft sowie der Bau der Brücke und des Krafthauses wird detailliert dargestellt. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der heutigen Nutzung durch das Laufkraftwerk in Verbindung mit Freizeit, Erholung, Kunst und den Menschen.

Das Juwel der Steyr

Das Bau- und Ingenieurbüro Vargason aus Wien plante im fernen Oberösterreich ein Wasserkraftwerk, reichte den Plan zur Bewilligung ein und erhielt 1906 die Baugenehmigung. Noch vor Ausführung des Baues verkaufte Vargason Plan (Bild links 1) und Konzession an die Kirchdorfer Zementwerke Hofmann und Comp, die 1907 mit dem Bau begannen und das Kraftwerk 1908 in Betrieb nahmen. Errichtet wurde es von der Grazer Baufirma Buss & Cie innerhalb von nur 19 Monaten.

Eine "elegante" Ausführung
Während man die technische Konzeption der Kraftwerksanlage und der Brücke von Vargason übernahm, wurde für die Gestaltung des Gebäudes und der Brücke Mauritz Balzarek (Bild links 2) engagiert. Die gesamte bauliche Anlage trägt die markanten Züge des Jugendstils, mit denen in monumentalen Formen die neue Bedeutung der Technik und der Fortschritt der modernen Zeit gefeiert wurden. Dem Architekten ist mit diesem Bau die Verbindung eines technischen Nutzbaues mit den naturräumlichen Gegebenheiten des Steyrdurchbruchs gelungen, der heute als Naturdenkmal gilt. Turbinenhaus, Brücke und Dammkrone sind dabei zu einer gesamträumlichen Gestalt zusammengeführt worden. Die besondere Leistung Balzareks, bestand darin, aus der Verbindung der landschaftlichen Situation mit dem Bauwerk eine neue Einheit geschaffen zu haben. Im Inneren ist die Maschinenhalle mit ihrer beeindruckenden technischen Ausstattung sowie mit Kacheln, Gittern und Schalttafeln authentisch erhalten und nach Voranmeldung auch zu besichtigen. Weiter: Anmeldung Kraftwerksführungen

Mehrere Ausbaustufen
1908 wurden zwei Francis Zwillingsturbinen errichtet, mit steigendem Strombedarf kam 1925 eine dritte Maschine dazu. Die drei Maschinen sind im Originalzustand erhalten und noch in Betrieb. 1937 wurde die Wehranlage umgebaut und erhielt ihr heutiges Aussehen. 1972 wurde das Werk um die Maschine 4 erweitert. Nach der Übernahme des Werkes durch die OKA (Oberösterreichische Kraftwerk AG heute Energie AG Oberösterreich) im Jahr 1977, wurde die Technik auf neuesten Stand gebracht.

Das Architekturjuwel Steyrdurchbruch
Entwurf und Bau des Kraftwerks Steyrdurchbruch zwischen 1904 und 1908 fielen in die interessantesten Jahre des Aufbruchs der mitteleuropäischen Architektur, und man könnte die Konstellation Bauherr, Architekt, Bauaufgabe und Standort als eine Sternstunde der österreichischen Architekturgeschichte bezeichnen. Nach der heroischen Periode der Industrialisierung, die von Dampf und Kohle geprägt war, trat vor 1900 mit der Elektrizität eine Technologie auf, die ganz neue gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven eröffnete.

Ein eindrucksvolles harmonisches Ganzes
Die Lage innerhalb einer einmaligen alpinen Flusslandschaft trägt wesentlich zur "Selbstdarstellung" der Anlage bei. Man betritt einen von mehreren Ebenen überschaubaren Großraum, der über eine tiefer liegende Brücke erschlossen und von einer höher liegenden Straßenbrücke tangiert wird. Das Kraftwerk ist die Synthese von Naturkräften und ihrer künstlerischen Interpretation ein unglaublich schlüssiges und eindrucksvolles harmonisches Ganzes, das mit seinem Alter immer schöner wird und schon lange zu den großen Architekturleistungen des Landes zählt.

Ästhetische Ebenen
Ebenso interessante Aspekte zeigen der Innenausbau und die Installation der Maschinen. Balzarek war bemüht mit den wenigen architektonischen Details (Geländer, Fensterteilungen, Verkleidungen etc.), einschließlich der Boden- und Wandfliesen, eine sehr schlichte, reduzierte dekorative Sprache zu benützen, die der technischen Atmosphäre entgegen kam. Diese "Schönheit", die aus Funktion, Berühr-, Pflegbar- und Handsamkeit aber auch aus den Produktionsverfahren entstand, und die man vermutlich zu ihrer Zeit noch gar nicht als eigene Qualität wahrnahm, ist heute eigentlich das Dominante in diesem Zusammenspiel.

Die Erhaltung eines Juwels
Den Eigentümern des Kraftwerkes war der kunsthistorische Stellenwert der Anlage immer bewusst. Zur prinzipiellen Bereitschaft, dieses Juwel in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten kamen auch Mitarbeiter, die das Kraftwerk zu ihrer Sache gemacht hatten. So ist es gelungen, das Juwel zu erhalten: Dabei wurde die ursprüngliche Form der Anlage sorgfältig gepflegt und kaum verändert. Das Krafthaus für die Maschine 4 wurde am rechten Ufer in den Fels gesprengt und ein "Unsichtbarer" Einbau der modernen Technik mit Erhaltung der Schalttafel unterstützte den Gesamteindruck der Originalität. Die Instrumente wurden immer gewartet, sie sind heute noch in Betrieb und zeigen echte Maschinenwerte an. Bei allen Netzbauten hat man die Umgebung von zusätzlichen Masten und Leitungen frei gehalten

Natur, Umwelt & Menschen
Wasserkraft ist mehr als nur Stromerzeugung. Das Kraftwerk ist auch ein sozialer Baustein der Region; es bietet Kultur, Freizeit und Erholung, Information und gute Nachbarschaft. Neben technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und ökologischen Betrachtungsweisen wurden bereits früh auch diese sozialen Aspekte einbezogen. Steyrdurchbruch war immer ein Zugpferd und wird es immer sein - auch für neue Trends. Immer wieder wird der einmalige Rahmen für Konzerte, Vernissagen oder Buchpräsentationen gewählt. Zur milliardsten Kilowattstunde spielte das Tassilo Quartett auf, im Mai 2007 gab es ein Veranstaltung mit Musik und Briefen von Mozart und bei der Hundertjahrfeier am 21. Juni 2008 lud die Energie AG zu Schuberts Forellenquintett. Die historische Maschinenhalle war schon mehrmals Ambiente für Fotoaufnahmen wobei Kunstinteressierte auf den Spuren Balzareks wandern können.
Auch Sportler und Erholungssuchende haben Steyrdurchbruch längst entdeckt: Rafting- und Faltbootfahrer tummeln sich auf den Wellen, Flusstaucher nutzen die klare Sicht im Wasser, Wanderer, Radfahrer und Mountain-Biker sind gern gesehende Gäste. Manche mögen es ruhig und kommen zum Fischen. Im Fluss und an den Ufern hat sich eine mannigfaltige Pflanzen- und Tierwelt entwickelt.

1,35 Milliarden Kilowattstunden
Es läuft und läuft und läuft… seit 100 Jahren Tag und Nacht. In diesem Zeitraum hat das Kraftwerk Steyerdurchbruch mehr als 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit dieser Menge könnten alle Haushalte der Landeshauptstadt Linz drei Jahre lang mit elektrischer Energie versorgt werden. Steyrdurchbruch hat somit auch 467 Mio. Liter Biodiesel, 415 Mio. Liter Heizöl, 930.000 t Pellets, 233.000 m³ Erdgas oder 430.000 t Steinkohle einsparen geholfen.

Die Autoren
Für den elektrizitätsgeschichtlichen Teil zeichnete sich Dr. Ignaz Ömer verantwortlich und die kulturhistorischen Bereiche stammen aus der Feder von Univ.-Prof. Arch. Dr. Friedrich Achleitner. Die Koordination des Bildbandes seitens der Energie AG erfolgte durch Ing. Siegfried Bauer und Ing. Wolfgang Lehner.

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