(geb. 1995) ist eine schwedische Künstlerin, die sich auf Skulptur und Installation spezialisiert hat. Seit ihrem Bachelor-Abschluss (BA) in Bildhauerei am Edinburgh College of Art (UK) im Jahr 2020 lebt Lerbro in Linz, wo sie derzeit ein Masterstudium in Plastische Konzeptionen / Keramik an der Kunstuniversität Linz absolviert.
Im Foyer befinden sich gleich zwei Arbeiten der Künstlerin, diese untersuchen, wie Wahrnehmung, Selbstbild und das Gefühl von Sicherheit entstehen – und wie stark sie von äußeren wie inneren Einflüssen geprägt sind. Beide Positionen laden dazu ein, vermeintlich stabile Konzepte als veränderbar und konstruiert zu begreifen.
Expectations of the Self (2024)
Die Arbeit versteht sich als Einladung zur Selbstreflexion. Sie stellt Fragen nach den eigenen Erwartungen: In welchem Verhältnis stehen sie zu gesellschaftlichen Zuschreibungen oder zu den Erwartungen anderer? Wie decken sie sich mit dem eigenen Handeln, mit Entscheidungen, Fähigkeiten oder Wünschen?
Zwischen Selbstbild und gelebter Realität entsteht ein Spannungsfeld, in dem das Selbst nicht als feste Einheit erscheint, sondern als bewegliche, sich ständig verändernde Größe. Auch die Rolle von Unterstützung – sozial, emotional oder materiell – wird dabei sichtbar: Sie beeinflusst maßgeblich, wie wir uns selbst wahrnehmen und welche Erwartungen wir an uns richten.
Constructed Experience of Safety (2025)
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist ein einfaches, alltägliches Element: ein Bauzaun. Üblicherweise dient er dazu, Räume abzugrenzen und Sicherheit zu suggerieren. In der künstlerischen Intervention wird diese Funktion jedoch hinterfragt.
Indem der Zaun seiner ursprünglichen Logik entzogen wird – etwa durch Verschiebung oder Aufhebung der Begrenzung –, verliert er seine scheinbar klare Bedeutung. Die Arbeit macht sichtbar, dass Sicherheit weniger durch physische Barrieren entsteht als durch kollektive Übereinkünfte und Wahrnehmungen.
So stellt sich die Frage: Wann fühlen wir uns geschützt – und warum? Und wie verändert sich dieses Gefühl, wenn die Strukturen, die Sicherheit versprechen, ihre Eindeutigkeit verlieren?
(Constructed Experience of Safety wurde ursprünglich für die Ausstellung SWEAT, 2025 entwickelt, die im Limonistollen, Linz stattfand.)
Jury Statement
Caroline Lebro überzeugte die Jury mit einer vielschichtigen künstlerischen Praxis, die physische Skulptur, soziale Fragestellungen und psychologische Reflexion miteinander verbindet. Die Künstlerin schafft mit ihren skulpturalen Installationen „Situationen“, in denen abstrakte Formen und gefundene Objekte aufeinandertreffen – als offene Anordnungen, die Zustände des Seins, der Veränderung und des Widerspruchs erfahrbar machen.
Im Zentrum steht das Selbst nicht als fixe Identität, sondern als Idee, Erwartung und Fragilität. Lebro verhandelt dieses Spannungsfeld nicht illustrativ, sondern materiell: Mit Baustoffen wie Isolierschaum, Wandputz, Schrauben, Rohren und Metallgittern entstehen Skulpturen, die zwischen organischer Körperlichkeit und architektonischer Strenge oszillieren.
In ihren „Massenkörpern“, wie die Künstlerin ihre nicht-figurativen Formen nennt, untersucht die Künstlerin die Möglichkeit, eine Beziehung zu etwas aufzubauen, das weder menschlich noch lebendig ist. Ergänzt werden die Werke mit gefundenen Objekten, die aus ihrer städtischen Umgebung oder Second-Hand-Märkten stammen. Diese fungieren als Stützen, Kommentare oder Fragen – und thematisieren damit die Rolle von Unterstützung, Kontext und Wert in Prozessen der Veränderung.
Die Jury würdigt Lebros eingereichte Arbeit als Beispiel für eine künstlerische Position, die nicht nur „Im Puls der Veränderung“ thematisiert, sondern selbst als dynamisches System von Fragen, Materialitäten und Bedeutungen funktioniert. Die entstehenden „Situationen“ verstehen Wandel nicht als Abschluss, sondern als Zustand – offen, widersprüchlich, prekär.
Jury: Gitti Vasicek (Vizerektorin Kunstuniversität Linz), Gabriele Spindler (Leitung Kunst- und Kulturwissenschaften, OÖ Landes-Kultur GmbH), Maria Venzl (Kuratorin, OÖ Landes-Kultur GmbH), und Reinhard Gattinger (Kunstbeauftragter der Energie AG Oberösterreich).


