(geb. 1992) lebt und arbeitet in Wien und im Oberen Mühlviertel. Erli studierte Angewandte Fotografie und zeitbasierte Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien, nach dem Kolleg für Grafikdesign an der HTL1 in Linz und erhielt 2024 das START-Stipendium für Fotografie.
Der neu etablierte Preis für künstlerische Fotografie in Oberösterreich wurde von der Jury aus den 205 Bewerbungen einstimmig an Erli Grünzweil vergeben und würdigt eine junge, aufstrebende Position der Fotokunst.
Consider Things (2022)
Fotobuch
Where Deer Fly and Stones Cry (2026)
Fotobuch
In der künstlerischen Praxis spielen Fotografie, Text und das Buch eine zentrale Rolle. Ausgangspunkt der Arbeiten sind persönliche Erfahrungen, Erzählungen und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen. Erli Grünzweils fotografische Arbeitsweise ist geprägt von prozesshaftem Arbeiten, in dem Bilder durch Transformation, Neuordnung und bewusste Verschiebung entstehen und immer wieder neu kontextualisiert werden. In einem aufwändigen Editing-Prozess verbindet Erli Grünzweil Arbeiten aus dem eigenen Bildarchiv zu atmosphärischen Bildwelten mit erzählerischer Dichte. In der Verschränkung entsteht ein vielschichtiger Bilderkosmos, in dem dokumentarische, poetische und narrative Ebenen ineinandergreifen.
Die Fotoauswahl am Tisch ist aus Where Deer Fly and Stones Cry (2026).
Erlis Arbeiten sind in der Ausstellung WHAT A VIEW im Francisco Carolinum Linz noch bis 02.08.2026 zu sehen.
Jury Statement
Die Jury des Fotowettbewerbs »WHAT A VIEW« hat einstimmig entschieden, den 2026 erstmals vergebenen Preis Erli Grünzweil (geb. 1992 in Rohrbach) zuzuerkennen und damit eine junge, aufstrebende Position innerhalb der (ober-)österreichischen Kunstszene auszuzeichnen. Ausgehend von sorgfältig komponierten, nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Einzelbildern schafft Grünzweil einen umfassenden, in seiner Inszenierung durch Farbgebung und Lichtsetzung verführerischen Bilderkosmos, in dem alles klar erkennbar und gleichzeitig doch fluide und wandelbar erscheint. – Erli Grünzweils präzise komponierte, sowohl dokumentarische als auch inszenierte Fotografien zeichnet etwas Rätselhaftes aus, das die Betrachter*innen gleichermaßen in ihren Bann zieht, wie es Fragen aufwirft. – »Es ist die Suche nach Mehrdeutigkeiten, Balance und neuen Perspektiven«, wie Erli Grünzweil die eigene Herangehensweise beschreibt.
Hinter den auf formaler Ebene von Werbeästhetik und Gebrauchsfotografie geprägten »autofiktionalen Fragmenten« (Grünzweil) liegen komplexe Fragestellungen, die um die eigene Familiengeschichte, Sozialisierung, (Gender-)Identität und »Wert« in einer von Überfluss geprägten Welt kreisen. Grünzweils offener, vielerlei Möglichkeiten und Kombinationsformen in Betracht ziehender Umgang mit dem Ausgangsmaterial nimmt auf die Bilderflut der heutigen Zeit Bezug – nicht zuletzt dann, wenn die präzise arrangierten Einzelarbeiten im Ausstellungs- oder Publikationskontext immer wieder in neue Zusammenhänge gebracht werden.
Dabei greift Erli Grünzweil auf ein umfassendes visuelles Archiv zurück, das neben eigenen Fotografien auch das künstlerische Werk des Großvaters, Archivbilder sowie Text miteinbezieht. Zentrales Element ist darüber hinaus die digitale Postproduktion, die ebenfalls dazu beiträgt, neue und durchaus überraschende Perspektiven und Narrative im Umgang mit dem visuellen Material zu finden.
Aus Sicht der Jury zeichnet sich die künstlerische Arbeit Grünzweils durch einen genauen Blick auf die Welt, hohe technische Professionalität und eine eigenständige, sich stets in Bewegung befindende metareferenzielle visuelle Sprache aus, die daran interessiert scheint zu ergründen, was Bilder über das eigene Bild-Sein hinaus noch sein könnten. Hervorzuheben ist darüber hinaus Grünzweils publizistische Praxis, die von einem genauen Gespür für das Verhältnis von Einzelbild und Serie zeugt. – Die für den Preis »WHAT A VIEW« ausgewählten Arbeiten geben Einblick in das aktuelle Schaffen Grünzweils und machen gleichzeitig neugierig auf zukünftige Auseinandersetzungen mit fotografischen Bildern und deren Verquickung mit persönlichen Narrativen.
Jury: Anna Artaker (Künstlerin und Professorin für transdisziplinäre Bildpraxis, Kunstuniversität Linz), Reinhard Gattinger (Kunstbeauftragter der Energie AG), Felix Hoffmann (Künstlerischer Leiter Foto Arsenal Wien), Christina Töpfer (Chefredakteurin CAMERA AUSTRIA, Graz), Nadine Weixler (Künstlerin & Obfrau Fotohof Salzburg), sowie von der OÖ Landes-Kultur GmbH Michaela Seiser (Abteilungsleiterin Kuratierung), Maria Venzl (Kuratorin für Fotografie) und die Kuratorinnen der Ausstellung und des Wettbewerbs Sandra Kratochwill und Genoveva Rückert.


