(geb. 1988) lebt und arbeitet in Österreich. Studiert hat Veigl an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie an der Kunstuniversität Linz, ergänzt durch einen Erasmus-Aufenthalt an der Willem de Kooning Academy in Rotterdam.
overflow (2021 – 2026)
Im Zentrum der Präsentation von Martin Veigl steht die Zeichnung als Mittel präziser Beobachtung und Verdichtung. Die ausgestellten Arbeiten richten den Blick auf alltägliche Situationen, flüchtige Begegnungen und scheinbar beiläufige Momente, die der Künstler in konzentrierte Bildausschnitte übersetzt. Durch seine genaue Linienführung und die sensible Komposition treten Details hervor, die im Alltag oft übersehen werden.
Die Zeichnungen halten Momente fest und verleihen ihnen eine über den Augenblick hinausgehende Präsenz. Veigl gelingt es, Szenen zu entschleunigen und sie in neue, eigenständige Bildräume zu transformieren. Gerade in einer Zeit permanenter Bilderflut entwickeln seine Arbeiten eine besondere Intensität: Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen und das Flüchtige bewusst wahrzunehmen.
Zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung entstehen dichte zeichnerische Strukturen, die Beobachtung und Erinnerung miteinander verbinden und die Bedeutung der Zeichnung als eigenständiges künstlerisches Medium eindrucksvoll sichtbar machen.
Eine der beiden großformatigen Arbeiten befindet sich in der Sammlung der OÖ Landes-Kultur GmbH. Die zweite großformatige Zeichnung, rechts an der Wand präsentiert, entstand eigens für die Ausstellung und wurde erst kurz vor der Eröffnung fertiggestellt.
Jury Statement
Martin Veigl zählt zu einer jungen Künstler:innengeneration, welche die Zeichnung wieder für sich entdeckt. Er setzt sich in seinem künstlerischen Werk mit dem Menschen und mit Menschengruppen auseinander. Die Zeichnung von Martin Veigl als eigenwertiges und eigenständiges Ergebnis künstlerischer Arbeit ist einer Gegenständlichkeit verpflichtet, die derzeit von zahlreichen Kunstschaffenden wiederentdeckt wird. Martin Veigl ist in seiner Herangehensweise beachtlich, da er mit einem großen Repertoire in der Linienführung verschiedene Aspekte mit Beobachtungsgabe und Präzision zu einer Einheit im Ergebnis führt.
Zudem leben seine Bilder von einer Gabe der Komposition, in der Verdichtung und Leere, ja sogar bewusst gesetzte Leerstellen eine wesentliche Rolle spielen.
Die Sujets erinnern an Alltagsszenen, aber genauso auch an künstlich generierte Bilder aus dem Internet. Gezeichnete Menschengruppen erwecken Erinnerungen an legere Begegnungen, welche vom Künstler analysiert und reflektiert werden. Analyse und Reflexion fließen in den Strich des Künstlers ein und werden zu einer präzisen Setzung von Linien und Punkten, die sich zu einem erstaunlichen "Abbild" gegenwärtiger Wirklichkeit formieren. Veigls Zeichnungen sind Momentaufnahmen und künstlerische Dokumente unserer Zeit. Neben der gesellschaftlichen Analyse zeugen die formale Komposition des Bildaufbaus und ein umfassendes Repertoire in der Strichführung von einer Begabung zur Zeichnung, die der Künstler als Klemens Brosch-Preisträger hoffentlich weiter pflegt und ausbaut.
Jury: Gabriele Spindler (OÖ Landes-Kultur GmbH), Inga Kleinknecht (OÖ Landes-Kultur GmbH), Bertold Ecker (Wien Museum), Reinhard Gattinger (Energie AG Oberösterreich), Hubert Nitsch (Landesgalerie Niederösterreich)


