Cupra Tavascan: Neue Prioritäten

Lesedauer 4 min
Im Normalfall sorgen bei einem E-Auto in erster Linie Akkugröße und Reichweite für Gesprächsstoff. Nicht so beim Cupra Tavascan.
Über Design lässt sich bekanntlich streiten, über einen extrovertierten Look weniger. Anders gesagt, der neue Cupra Tavascan wird nicht jedem gefallen, aber es ist völlig ausgeschlossen, dass ihn auch nur irgendjemand übersieht. Was Cupra hier abliefert ist in jedem Fall großes Kino und im noch rar besetzten Segment der E-SUV-Coupés der Hingucker schlecht hin. Und das, obwohl unser Testwagen noch relativ seriös gekleidet war.
Statt 21“ Felgen auf Performance Reifen und Matt-Lackierung gab es solide 19“ Felgen und braves „Atacama-Beige“ – Metallic. Der Würze des Designs tat das aber keinen Abbruch. Langer Radstand, kurze Überhänge und coupéhaft abfallende Dachlinie kennzeichnen das Blechkleid des Tavascan. Zählt man noch die markante Front, den mit Kanten gespickten Körper und dem bei Cupra üblichen in der Farbe Kupfer gehaltenen Zierrat dazu, kann man nur „Danke“ für so viel Mut sagen.
Dabei ist der Tavascan gar nicht so extrovertiert, wie er sich gibt. Unterm Blech arbeitet quasi ganz gewöhnliche Konzerntechnik, was weitaus positiver ist als es hier klingen mag. Vielfach erprobt und bewährt überzeugt der modulare E-Baukasten auch im rassigen Spanier mit seinen Meriten. Beim Antrieb bildet die 286 PS starke und heckgetriebene Variante den Einstieg, darüber rangiert noch der „VZ“ mit 340 PS und Allradantrieb.
Wir sind die schwächere Version gefahren, wobei das in Relation zu betrachten ist. 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 545 Newtonmeter und begeisternder Durchzug haben mit schwach herzlich wenig zu tun. Freilich sind das unter E-Autos keine Fabelwerte, der sportliche Charakter des Tavascan beruht aber auf weit mehr als nur Zahlen. Sportschalensitze und Sportfahrwerk, beides übrigens serienmäßig, bringen den Cupra querdynamisch ordentlich in Fahrt, wer mag kann via passendem Fahrprofil weiter an der Sportschraube drehen.
Eh klar macht das etwas mit dem Verbrauch, über 20 kWh auf 100 Kilometer können da schon mal passieren. Soll sein, ist ja nicht die Norm und der brutto 82 kWh große Akku hält das schon aus. Entsprechend variiert die Reichweite, WLTP sagt bis zu 569 Kilometer, der Bleifuß eher 400. Man wird sich im Alltag in der Mitte treffen, dort liegt mit 135 kW auch die maximale Ladeleistung. Auch das kein Fabelwert, aber wer öfters an Schnellladern verweilt weiß, dass der Cupra damit sehr oft ziemlich genau das aus den Steckern herausholt, was sie bereit sind zu geben.
Längere Reisen nimmt der Tavascan demnach gerne mit. Der e-Routenplaner des Navis´s werkt vorbildlich, Ladestopps und Ladedauer inklusive. Und bitte auch keine Bedenken ob des Coupé-Kleides. Satte 540 Liter fasst der Kofferraum und selbst fünf Erwachsene sitzen bei etwas knapper Kopffreiheit bequem. Und sie alle dürfen sich am eindrucksvollen Interieur, dominiert von der frei schwebenden Mittelkonsole in Carbon Optik und den kupferfarbenen Dekorleisten, freuen. Da gehen die kleinen digitalen Anzeigen hinter dem Lenkrad und der für sich betrachtet stattliche 15“ Touchscreen mit seiner guten Bedienstruktur fast ein wenig unter. Eh nur fast.
Daten Cupra Tavascan 286 PS
Motor: 82, kWh Akku (Brutto)
Leistung: 286 PS
Max. Drehmoment: 545 Nm
Reichweite: ca. 420 km
Vmax: 180 km/h
0 auf 100 km/h: 6,8 Sek
Preis ab EUR 48.400,00
So gibt es ihn auch:
Cupra Tavascan VZ 4Drive
340 PS, WLTP-Reichweite 512 km, Preis ab EUR 65.300,00
So sieht die Konkurrenz aus:
Skoda Enyaq Coupé 85, Preis ab EUR 55.890,00
Ford Capri 77 kWh, Preis ab EUR 50.600,00





