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Windenergie

Windräder im Ruhestand: So geht es wirklich weiter

Blog EnergieAberGut.

Lesedauer 4 min
In sozialen Medien verbreiten sich Darstellungen sogenannter „Windrad-Friedhöfe“, auf denen Millionen Tonnen nicht recycelbarer Rotorblätter entsorgt und vergraben werden sollen. Der APA-Faktencheck stellt klar, dass dies nicht stimmt. Der Großteil der Anlagen wird verwertet und auch beim Recycling von Rotorblättern gibt es kontinuierliche Fortschritte

Bis zu 90 Prozent einer Anlage sind recycelbar
Eine Windkraftanlage hat eine Lebensdauer von rund 20 bis 25 Jahren. Wird sie anschließend rückgebaut, können laut Umweltbundesamt und dem europäischen Branchenverband WindEurope bis zu 90 Prozent der Komponenten recycelt werden. Beton aus den Fundamenten sowie Metalle wie Stahl und Aluminium werden zu bis zu 92 Prozent wiederverwertet, Kupfer sogar zu bis zu 95 Prozent. Türme, Gondeln und Getriebe werden entweder im Gebrauchtmarkt weiterverwendet, häufig auch international, oder materialgetrennt aufbereitet. In Österreich entsteht dadurch derzeit kaum Abfall aus rückgebauten Windkraftanlagen, da der Großteil der Komponenten weiterverkauft und erneut genutzt wird.

Rotorblätter: die echte Herausforderung und wie sie gelöst wird
Der Kern der Kritik ist nicht vollständig falsch, denn Rotorblätter sind tatsächlich schwieriger zu recyceln. Sie bestehen aus glas- oder carbonfaserverstärkten Kunststoffen (GFK bzw. CFK), die zwar wetter- und belastungsbeständig sind, sich jedoch kaum in ihre Bestandteile zerlegen lassen. Ein wirtschaftlich tragfähiges Recyclingverfahren für diese Materialien fehlt bislang.

Allerdings entwickelt sich die Forschung stetig weiter. Die Universität für Bodenkultur Wien sieht Potenzial für künftige Recyclingraten von bis zu 50 Prozent. Als besonders vielversprechend gilt die Solvolyse, ein chemisches Verfahren, das Materialverbunde gezielt auflöst.

Dass Recycling grundsätzlich möglich ist, zeigt das Beispiel des Windparks Hagshaw Hill in Schottland. Dort wurden beim Repowering alle 26 Rotorblätter der 1995 errichteten Anlagen recycelt und zu Baumaterial verarbeitet, das Beton, Holz und Kunststoff ersetzt. Zusätzlich entstehen neue Upcycling-Ansätze. Eine deutsche Firma produziert aus ausgedienten Rotorblättern Outdoor-Möbel, das niederländische Unternehmen Blade-Made fertigt daraus Spielplatzgeräte und urbane Sitzgelegenheiten.

Die Zahlen: was Europa bis 2050 erwartet
WindEurope schätzt den aktuellen EU-weiten Abfall aus Rotorblättern auf rund 20.000 Tonnen pro Jahr und rechnet bis 2050 mit einem Anstieg auf über 80.000 Tonnen jährlich, da viele Anlagen der ersten Generation dann das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Für Österreich geht der Bundesabfallwirtschaftsplan bis 2050 von rund 4.600 Tonnen aus, eine erste Schätzung, an deren Präzisierung derzeit gearbeitet wird. EU-Recht verbietet die direkte Deponierung ohne vorherige Abfallbehandlung. Zusätzlich hat sich die europäische Windbranche freiwillig verpflichtet, auf die Deponierung zu verzichten.

Warum der Mythos schadet
Die APA hat auch das in sozialen Medien kursierende Bildmaterial überprüft. Das häufig geteilte Foto angeblicher „Turbinen-Friedhöfe“ trägt das Wasserzeichen des KI-Tools Google Gemini. Ein KI-Erkennungssystem bewertet das Bild mit 92 Prozent Wahrscheinlichkeit als synthetisch erzeugt. Seriöse Nachrichtenquellen verwenden es nicht.

Das ist mehr als eine Randnotiz. Eine aktuelle Studie von WindEurope zeigt, dass anhaltende Desinformation über Windkraft wirtschaftliche und sicherheitspolitische Folgen haben kann. Projekte werden verzögert oder gestrichen, Investitionsrisiken steigen und politische Entscheidungsprozesse werden erschwert. Laut Studie führt dies zu höheren Strompreisen, Arbeitsplatzverlusten und einer langsameren Abkehr von fossilen Energien. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) betont im aktuellen Österreich-Bericht, dass der Windkraftausbau deutlich beschleunigt werden muss.

Windkraftanlagen gehören zu den meistdiskutierten Themen der Energiewende. Und wie bei vielen Technologien, die gesellschaftlich umstritten sind, kursieren online hartnäckige Fehlinformationen. Aktuell macht ein Posting die Runde, das behauptet, Rotorblätter seien grundsätzlich nicht recycelbar und würden weltweit Millionen Tonnen langlebiger Müll erzeugen. Die österreichische Nachrichtenagentur APA hat diese Behauptung geprüft und als irreführend eingestuft.

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