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Auch auf den Zeitpunkt kommt es an: Wann Strom verbraucht wird, zählt immer mehr

Auch auf den Zeitpunkt kommt es an: Wann Strom verbraucht wird, zählt immer mehr

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Jahrzehntelang lautete die entscheidende Stromfrage: Wie kann ich weniger verbrauchen? Heute kommt eine zweite hinzu: Wann verbrauche ich Strom? Denn in einem Energiesystem mit immer mehr Wind- und Sonnenstrom wird der Zeitpunkt des Verbrauchs zunehmend wichtig.

Der Grund ist einfach: Unser Stromsystem verändert sich stark. 

In Österreich wurden laut Regulierungsbehörde E-Control im Jahr 2024 insgesamt 64,5 TWh Strom verbraucht. Über das öffentliche Netz gingen 54,8 TWh an Endkundinnen und Endkunden. Inklusive Netzverlusten, Kraftwerksbedarf und Pumpstrom lag der Systembedarf sogar bei 74,7 TWh – um 2,7 Prozent mehr als 2023. 

Gleichzeitig war 2024 ein Rekordjahr für erneuerbare Erzeugung: 2024 wurden in Österreich 81,5 TWh Strom erzeugt, davon 71,29 TWh erneuerbar. Die Austrian Power Grid (APG) verzeichnete 243 Exporttage, die E-Control nennt rund 8.600 MW installierte Photovoltaik-Leistung zum Jahresende.

Mehr Erneuerbare, neue Herausforderungen
Der Erfolg der erneuerbaren Energieträger bringt neue Anforderungen an das Stromsystem mit sich. Sonnen- und Windstrom fallen nicht gleichmäßig an: Viel Solarstrom gibt es oft zu Mittag, wenig am Abend; windstarke Tage wechseln sich mit Flauten ab. Die Bedeutung des Stromsparens hängt laut APG daher immer stärker vom aktuellen Angebot aus Wasser, Wind und Sonne ab – und nicht vom reinen Verbrauch.

Als besonders kritisch gelten Stunden mit hoher Residuallast, also wenn der Stromverbrauch die aktuelle Erzeugung aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie deutlich übersteigt und teure Reservekraftwerke einspringen müssen.

Wer Strom klug timed, hilft doppelt
Für Haushalte bedeutet das: Es lohnt sich mehr denn je, Stromverbrauch in günstige und nachhaltige Stunden zu verschieben. Waschmaschine, Geschirrspüler, Warmwasserboiler, E-Auto oder Wärmepumpe dann laufen lassen, wenn viel erneuerbarer Strom im Netz ist, bringt gleich zwei Vorteile. Die Stromnutzung wird klimafreundlicher, und künftig kann sie mit dynamischen oder zeitabhängigen Tarifen auch günstiger werden.

Die technische Basis dafür ist bereits vorhanden: Laut E-Control waren Ende 2024 bereits 96,9 Prozent der Messpunkte in Österreich mit Smart Metern ausgestattet. Diese digitalen Zähler machen sichtbar, wann Strom verbraucht wird, und sind die Grundlage für neue Tarifmodelle. Ein österreichischer Durchschnittshaushalt verbraucht laut E-Control Preismonitor rund 3.500 kWh pro Jahr. Wer diesen Verbrauch besser über den Tag verteilt, kann zeitabhängige Tarife gezielter nutzen und erhält gleichzeitig einen genaueren Einblick in den eigenen Alltag: Welche Geräte laufen wann, wo gibt es unnötige Lastspitzen, und welche Gewohnheiten lassen sich leicht ändern?

Dreifacher Nutzen für das gesamte System
Warum ist intelligentes Timing auch für Energieversorger und Netzbetreiber sinnvoll? Weil ein Stromsystem immer in Balance sein muss. Strom wird nicht einfach in beliebiger Menge gelagert, sondern muss im richtigen Moment erzeugt, transportiert und verbraucht werden. Wenn viele Menschen gleichzeitig Strom benötigen, steigt der Druck auf Netze, Speicher und Kraftwerke. Wenn dagegen zu Mittag viel Sonnenstrom eingespeist wird, muss dieser Strom möglichst genau dann genutzt, gespeichert oder weitertransportiert werden.

Ein kluger Verbrauch hilft an mehreren Stellen: Wenn mehr Last in Zeiten mit viel erneuerbarer Erzeugung verschoben wird, müssen weniger teure Reservekraftwerke anspringen. Das senkt Systemkosten, entlastet die Netze und reduziert Abregelungen von Wind- und Solaranlagen. Für Energieversorger bedeutet das bessere Planbarkeit, für flexible Kraftwerke gezielteren Einsatz, und für die Gesellschaft mehr genutzten erneuerbaren Strom statt Verlust oder Verdrängung.

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