Das Elektroauto als Stromspeicher und Stromquelle

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Vehicle-to-Grid: Schlüsseltechnologie für die Energiewende
Die Energiewende ist längst keine Vision mehr, sondern Realität. Photovoltaik und Windkraft liefern immer größere Mengen an Strom aber nicht immer dann, wenn er gebraucht wird. Genau hier kommt Vehicle-to-Grid (V2G) ins Spiel: Elektroautos werden zu mobilen Stromspeichern, die Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder ins Netz zurückspeisen können. Für Energieversorger eröffnet das völlig neue Möglichkeiten, um Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Nachhaltigkeit und Netzstabilität
Elektroautos stehen im Schnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt. Ihre Batterien könnten in Zeiten hoher Nachfrage Energie liefern und bei Überproduktion, etwa mittags bei starker Sonneneinstrahlung, günstig geladen werden. V2G kann Lastspitzen abflachen, CO₂-Emissionen reduzieren und den Einsatz fossiler Reservekraftwerke verringern. Vollständig ersetzen kann es diese Anlagen zwar nicht, unterstützt sie aber effektiv – insbesondere in Kombination mit intelligentem Energiemanagement und zusätzlichen Speichern.
Das Potenzial ist enorm: In Österreich sind per Jänner 2026 rund 260.000 E-Autos unterwegs. Würde man nur einen Teil ihrer Speicherkapazität nutzen, könnten mehrere Gigawattstunden zur Netzflexibilität beitragen.
Rechtslage: Erlaubt, aber noch nicht geregelt
Technisch ist bidirektionales Laden in Österreich möglich und erlaubt. Doch die Praxis hinkt hinterher. Es fehlen klare gesetzliche Vorgaben für Netzentgelte, Abgaben und Schnittstellen-Standards. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG 2025) hat erste Türen geöffnet, aber eine umfassende Regelung für V2G steht noch aus. V2G ist also erlaubt, aber nicht explizit geregelt; beispielsweise in Bezug auf Mess- und Abrechnungsprozesse. Experten erwarten marktreife Angebote zwischen 2027 und 2030. Bis dahin laufen Pilotprojekte wie ePowerMove in Klagenfurt, die den Weg bereiten.
Best Practice: Deutschland macht vor, was möglich ist
In Deutschland zeigen BMW und E.ON seit März 2026, was möglich ist: Mit dem iX3 können Kundinnen und Kunden Strom ins Netz einspeisen, wenn die Preise hoch sind, und laden, wenn sie niedrig sind, gesteuert über intelligente Tarife. So lassen sich bis zu 720 Euro jährlich verdienen. Solche Vergütungsmodelle gibt es in Österreich noch nicht, doch die hohe Smart-Meter-Durchdringung von rund 97 Prozent Ende 2024 erleichtert die künftige Umsetzung.
Automodelle und Technik
Viele Hersteller bieten bereits Fahrzeuge mit bidirektionalem On-Board-Charger an: BMW, VW, Kia, Hyundai, Polestar und BYD. BYD plant sogar ein Pilotprojekt in Österreich. Entscheidend ist nicht nur das Auto, sondern auch die passende Wallbox. Die Preise hierfür reichen von rund 900 bis 5.000 Euro.
Fazit: Jetzt die Weichen stellen
Für Energieversorger ist V2G mehr als ein Trend. Es ist eine Schlüsseltechnologie. Sie verbindet Mobilität und Energie, schafft Flexibilität und macht die Energiewende kosteneffizient. Entscheidend sind klare Regeln, interoperable Systeme und attraktive Tarife. Dann wird das Elektroauto nicht nur klimafreundliches Fortbewegungsmittel, sondern auch ein aktiver Teil unseres Energiesystems.